Wien - Es war nun sicher der früher oder später erwartete Bruch der Koalition aus ÖVP und FPÖ als Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit einem „es ist genug“ am Samstag das Aus einer nur scheinbar harmonischen konservativ-freiheitlichen Regierung verkündete.

Zuvor hatten die deutschen Zeitungen DER SPIEGEL und SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ein erschreckend peinliches Video veröffentlicht, das Vizekanzler HC Strache und Klubobmann Johann Gudenus in feuchtfröhlicher Geschäftigkeit mit angeblich russischem Geldadel zeigte. Europa war schockiert. Die beiden Freiheitlichen Politiker zeigten sich hier nicht zu weit rechts, wie es zumeist Anstoß von Kritik in der Vergangenheit war, sondern durchtrieben geschäftstüchtig zu Lasten der Republik. Das war für Bundeskanzler Sebastian Kurz zuviel des „Guten“.

Der Nationalratsabgeordnete Gerald Loacker (NEOS) formulierte es auf Facebook treffend: „Was wir in dem Video sehen, ist Österreich in a nutshell. Eine solch aufwändige Falle stellt man nur, wenn man die Wahrscheinlichkeit hoch einschätzt, dass das Opfer hineintappen wird.“ Direkt ausgedrückt: Die Drahtzieher der superpeinlichen Aufnahme von HC Strache und Johann Gudenus müssen fest damit gerechnet haben, das die beiden freiheitlichen Politiker doof genug sind, um in eine Falle zu tappen. Es ist sekundär dabei, ob die Falle nun durch den deutschen BND, die linksliberalen Medien oder womöglich auch parteiinterne Konkurrenz gestellt wurde. Was bleibt sind Freiheitliche, denen der Ruf von Kaufbarkeit anhaftet.

Wie geht’s weiter?

Sebastian Kurz erhofft sich bei Neuwahlen im Frühherbst 2019 einen guten Wahlerfolg. Kommt seine ÖVP nahe an 40 Prozent Wählerzustimmung, könnte sich eine Koalition mit den NEOS gut ausgehen. Die NEOS selbst dürften für 8 bis 10 Prozent gut sein. Ergänzend wäre auch mit dem Wiedereinzug der Grünen in den Nationalrat zu rechnen. Billigt man diesen 5 bis 7 Prozent zu, hat der Bundeskanzler für sein Reformprojekt eine greifbare Mehrheit an SPÖ und FPÖ vorbei. Im Bundesland Salzburg funktioniert eine solche Koalition unter Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) recht reibungsfrei.

Der SPÖ bliebe weitere Zeit, um sich mit dem Burgenländer Landeshauptmann Hans Peter Doskozil neu aufzustellen - weniger links und mehr pragmatisch.

Bei der FPÖ dürften es Norbert Hofer, Mario Kunasek und Manfred Haimbuchner sein, die im Nationalrat, in der Steiermark und in Oberösterreich wieder Fundamente der Glaubwürdigkeit für die FPÖ setzen müssen.

HC Strache, der einstige Widersacher von Jörg Haider, ist Geschichte. In Kreisen der deutschen AfD hat man sicher aufs falsche Pferd gesetzt, als man sich vor allem diesem Teil der Freiheitlichen andiente. Dabei wird gemunkelt, dass Dr. Alice Weidel, AfD-Co-Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, ein HC Strache schon immer unheimlich war.