Wien - Am 29. September 2019 trifft Österreich die Entscheidung, wer auf die durchaus populäre Übergangsregierung folgen und das Land ins neue Jahrzehnt führen soll. In der letzten Umfrage vor der Nationalratswahl, die vom Research-Affairs-Institut für die Tageszeitung ÖSTERREICH erstellt wurde, liegen Sebastian Kurz und seine ÖVP weiter mit 34 Prozent souverän an der Spitze.

Der leichte Abwärtstrend der letzten Wochen setzt sich jedoch fort und die Partei verliert abermals einen Prozentpunkt. Einen Prozentpunkt gewinnen können hingegen SPÖ und FPÖ, die bei 23 und 20 Prozent liegen und die sich wie schon bei der letzten Nationalratswahl ein Rennen um den zweiten Platz liefern, bei dem die SPÖ allerdings laut Umfragen die besseren Karten hat. Ob das sich aber auch in der Wahlkabine niederschlägt, bleibt abzuwarten, denn noch nie hat es sich machtpolitisch weniger gelohnt SPÖ zu wählen als heute: Türkis-Rot erscheint ausgeschlossen, Rot-Blau will Rendi-Wagner nicht und für eine Koalition mit den kleinen Parteien dürfte die SPÖ zu schwach abschneiden.

Grüne und NEOS – Regierung oder Opposition?

Apropos kleinere Parteien: Während JETZT um Peter Pilz diesmal wohl fast sicher wieder unter die Vier-Prozent-Hürde fallen wird, dürften die Grünen die großen Wahlsieger werden und mit einem zweistelligen Ergebnis – prognostiziert werden 12 Prozent – in den Nationalrat zurückkehren. Die NEOS liegen bei acht Prozentpunkten. Damit ist klar, dass es für Türkis-Pink wohl nicht reichen wird. Dass die in Salzburg bereits erprobte „Dirndl-Koalition“ aus ÖVP, Neos und Grünen hingegen auf Bundesebene wirklich eine Chance bekommen könnte, erscheint unwahrscheinlich. Im Puls-4-Wahlduell lief es zwischen Kurz, Grünen-Chef Werner Kogler und NEOS-Frontfrau Beate Meinl-Reisinger wenig harmonisch. Sebastian Kurz steht eben einerseits für junge, frische und neue Politik, aber eben andererseits auch für konservative Inhalte, die mit zwei linksliberalen Parteien wohl kaum zu realisieren wären.

39 Prozent der Befragten gefällt keine Koalitionsoption

Es bleibt damit wohl nur eine Neuauflage von Türkis-Blau – diesmal mit einer zahmeren FPÖ unter Norbert Hofer, dem man bisweilen fast schon ein türkises Parteibuch zutrauen könnte. Für diese Koalition spricht nicht nur, dass sie bis zur Ibiza-Affäre nach allgemeiner Wahrnehmung mit erstaunlichem Tempo konstruktiv zusammengearbeitet hat, sondern auch, dass sie nach wie vor die mit Abstand beliebteste Option bei den Wählern ist. 27 Prozent wünschen sich laut ÖSTERREICH eine türkis-blaue Koalition, 13 Prozent eine Linkskoalition aus SPÖ, Grünen und Neos und 11 Prozent wollen die oben angesprochene „Dirndl-Koaltion“ ausprobieren. Eindeutig nicht gewünscht ist eine Große Koalition, die nur auf zehn Prozent Zustimmung kommt. Dass sich mit 39 Prozent der Befragten der größte Teil mit keiner dieser Koalitionen anfreunden kann, sollte allerdings allen Parteien zu denken geben.