Innsbruck – Der Tourismus ist die wirtschaftliche Lebensader Tirols, dessen Förderung sich der strategische Beirat der Tirol Werbung verschrieben hat. Eine zentrale Aufgabe des Tyrol Tourism Board (TTB) besteht in der Abstimmung zwischen der Tirol Werbung und dem Verband der Tiroler Tourismusverbände hinsichtlich der Marketing-Aktivitäten, um Synergieeffekte zum Wohle des Tiroler Tourismus zu schaffen. Im Zuge der Neuaufstellung des strategischen Beirats wurde Mario Gerber, Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol, zum Vorsitzenden und Gerhard Föger, Leiter der Abteilung Tourismus des Landes Tirol, zu seinem Stellvertreter gewählt. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (Jahrgang 1954) nannte das TTB das höchste tourismuspolitische Gremium des Landes und gratulierte dem neuen Obmann Mario Gerber zu seiner Wahl. „Er wird künftig noch stärker als zuvor auch nach außen hin als tourismuspolitischer Sprecher auftreten. Alle Mitglieder des Tyrol Tourism Board nehmen wichtige Aufgaben im Sinne des Tiroler Tourismus wahr“, würdigte der ÖVP-Politiker.

Unter der Corona-Pandemie leidet seit über einem Jahr aber nicht nur der Tourismus, sondern auch der ganze Kulturbereich. Deshalb nutzte Platter den jüngsten Tirolbesuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für konstruktive Arbeitsgespräche mit den Vertretern von Kunst, Kultur und Traditionpflege. Es gelte im direkten Austausch mit den Verbänden und Vereinen die Praxistauglichkeit der aktuellen Covid-19-Öffnungsverordnung zu erörtern. „Ich habe mich bis zuletzt für eine Änderung der Regelungen für Verbände und Vereine eingesetzt“, betonte der Landeshauptmann. „Ob Chöre des Landestheaters oder Blasmusikvereine: Es benötigt praktikable Anpassungen, damit auch das so wertvolle Kultur- und Traditionswesen in Tirol wiederaufleben kann. Nach vielen stillen Monaten sehnen sich die Menschen nach einem umfassenden musikalischen und kulturellen Zusammenleben.“

In geschlossenen Räumen darf sich derzeit eine Person auf 20 Quadratmetern aufhalten. Diese Regelung führt in den Sparten Musik, Tradition, Kunst und Kultur zu erheblichen Beeinträchtigungen, wie nicht nur die Tiroler Landesregierung beklagt. Musikproben sind damit in den allermeisten Fällen praktisch unmöglich. Die Einhaltung der 3-G-Regel – Zutritt nur für getestete, genesene oder geimpfte Personen – stehe außer Frage, sagte Günther Platter anlässlich des Besuchs aus Wien. Doch es brauche „Adaptierungen, die auch auf Eigenverantwortung und Vertrauen“ beruhen. Der Bundeskanzler habe zugesagt, „dass schnellstmöglich geprüft wird, inwieweit notwendige Nachbesserungen umsetzbar sind, damit auch das Kunst-, Kultur- und Traditionswesen in Tirol und allen weiteren Bundesländern einen weiteren Aufwind erfährt“.

Mit Bezugnahme auf Pfingsten sprach der Landesvater von einer gelungenen Bewährungsprobe für den regionalen Tourismus und einem geglückten Start in die Sommersaison 2021. Und das mit Recht: Die Nachfrage nach Urlaub in Tirol ist nach Monaten des Corona-bedingten Stillstandes groß und die Buchungslage vielversprechend. So wurden am Pfingstwochenende in dem Bundesland 184.000 Nächtigungen verzeichnet. Die Gäste-Testungen verliefen dabei weitgehend problemlos, wie überhaupt die strengen Hygiene- und Sicherheitskonzepte die Urlaubsfreude kaum trüben konnten. Aus Sicht der Landesregierung befindet man sich auf einem guten Weg. Das Impfen schreite voran, und die Betriebe leisteten mit ihren Hygiene- und Sicherheitskonzepten Großartiges, um die bestmögliche Sicherheit der Gäste zu gewährleisten. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Platter in diesem Sinne: „Ich bin sehr froh, dass wir bestes Feedback von den Gästen aus Gastronomie und Hotellerie bekommen. Den Elchtest hat der Tiroler Tourismus über das Pfingstwochenende bestmöglich bestanden.“

Dabei setzte die Corona-Krise dem 66-Jährigen auch persönlich zu und drohte seine politische Lebensleistung zu beschädigen. Das Tiroler Urlauberparadies Ischgl geriet Anfang 2020 als Corona-Hotspot in die europaweiten Negativschlagzeilen und sorgte in der österreichischen Innenpolitik für erregte Debatten über Versäumnisse und Verantwortlichkeiten. In diesem Jahr wurde dann über einen „Aktionsplan für Tirol“ gestritten, der die Ausbreitung von Virusmutationen begrenzen sollte, ohne das Land abzuschotten. Für eine Isolation Tirols sah Günther Platter keinen Grund.

Im Februar 2021 beschrieb der Politik- und Medienberater Peter Plaikner den Regierungschef als „Stehauf-Landeshauptmann“, an dem politische Krisen einfach abperlen. In einem Gastkommentar für den „Standard“ schrieb Plaikner: „Günther Platter ist länger als alle anderen aktuellen Landeshauptleute – 4.603 Tage – im Dienst. 35 Jahre in der Politik, Gemeinderat und Bürgermeister, 1994 erstmals im Nationalrat, Landesrat und Minister, der einzige noch aktive Politiker aus einer Regierung Schüssel, der letzte amtierende Überlebende von Schwarz-Blau I – und jetzt das: Seit bald einem Jahr zerstört die Pandemie die Lebensbilanz des Mannes aus Zams.“ Der Politikbeobachter analysierte: „Von außen betrachtet ist er Tirols Gesicht der Krise, doch aus der Innensicht vollkommen ungefährdet als Landeshauptmann.“ Und die Innensicht der Landeskinder zählt eben bei Landtagswahlen. Solange ihm der Ausgleich zwischen Stadt und Land gelinge, werde Platter im Amt bleiben, notierte Peter Plaikner. Wenn mit den Öffnungen im Tourismus und in der Gastronomie der Wirtschaftsmotor wieder richtig in Gang kommt, dürfte der ÖVP-Matador in Innsbruck fester denn je im Sattel sitzen.

Erst vor drei Wochen gab Tirols Landeshauptmann und ÖVP-Chef bekannt, bei der Landtagswahl im Jahr 2023 erneut zu kandidieren. Bei der Vorstellung der beiden neuen Landesräte Annette Leja und Anton Mattle sagte Platter: „Ich werde wieder antreten.“ Der frühere Verteidigungs- und Innenminister ist seit 2008 im Amt und damit schon jetzt der am zweitlängsten amtierende Landeshauptmann in der jüngeren Geschichte Tirols. Seit 2013 regiert der machtbewusste Schwarze recht einträchtig mit den Grünen. Mit Blick auf die oft improvisierte Corona-Politik der letzten Monate zeigt sich der Vater zweier erwachsener Kinder auch kritikfähig: „Um unserer Verantwortung für Tirol gerecht zu werden, müssen wir auch selbstkritisch zurückblicken. Und Dinge hinterfragen. Ohne Schuldzuweisungen. Ohne mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Welche Lehren ziehen wir aus der Pandemie? Und wie können wir es in Zukunft besser machen?“