Innsbruck/Bozen – Um große Unternehmerkarrieren und Konzernerfolge zu studieren, muss man nicht immer in die USA blicken. Auch Österreich kann damit aufwarten. Ein Beispiel dafür ist die Signa Holding GmbH, ein Immobilienkonzern mit zahlreichen Handelsbeteiligungen insbesondere in Deutschland. Aus einem Zwei-Mann-Unternehmen, das zunächst auf klassische Immobilienentwicklung spezialisiert war, ist im Laufe der Zeit ein kapitalstarker Player im internationalen Immobiliengeschäft geworden. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Innsbruck verfügt mit Signa Real Estate (Immobilien) und Signa Retail (Handel) über zwei Kerngeschäftsbereiche. Signa Real Estate ist einer der größten privaten Immobiliendeveloper in Europa und beschäftigt an zehn Bürostandorten rund 350 Mitarbeiter. Signa Retail zählt an rund 370 Standorten fast 46.000 Mitarbeiter.

Hinter dieser Erfolgsgeschichte steht der gebürtige Innsbrucker René Benko, der schon im Alter von 17 Jahren Assistent eines Projektentwicklers wurde und so frühzeitig Erfahrungen in der Immobilienbranche sammelte. 1999 gründete er das Kleinunternehmen Immofina Holding GmbH, mit dem er zunächst zwei Dachböden in Wien zu Wohnungen ausbaute und dann weiterverkaufte. Er erinnert sich noch an diese Zeit: „Aus nicht genutzten Dachböden haben wir hochwertige Wohnflächen gemacht. Dadurch entwickelte ich meine Passion fürs Unternehmertum.“ Von Anfang an richtete der 1977 Geborene seinen Fokus auf attraktive Innenstadtlagen.

Benkos erstes Großprojekt war der Bau des „Kaufhauses Tyrol“ in Innsbruck ab dem Jahr 2004. Die Eröffnung 2010 sicherte ihm österreichweite Aufmerksamkeit. Zu diesem Zeitpunkt war die Immofina längst in Signa Holding GmbH umbenannt. Mit dem Erwerb zweier Bankenzentralen in der Wiener Innenstadt setzte der Immobilien-Visionär seine Idee eines Stadtentwicklungsprojektes mit hochwertigen Wohn- und Gewerbeimmobilien um. 2012 erwab Signa das bekannteste Berliner Kaufkauf KaDeWe und übernahm zwei Jahre später zusätzlich die komplette Karstadt Warenhaus GmbH. Damit war René Benko in das operative Handelsgeschäft eingestiegen. „Die Gruppe hat sich seit der Gründung im Jahr 1999 mit einem Immobilienvermögen von über 20 Milliarden Euro und einem Umsatzvolumen ihrer Retail-Beteiligungen von rund 8,5 Milliarden Euro zu einem Unternehmen europäischen Formats entwickelt“, heißt es auf der Internetseite der Signa Holding.

Dabei verlor der Tiroler Immobilienunternehmer nie seine Heimatregion aus den Augen. So entwickelte er das Großprojekt „WaltherPark“, das im Herzen Bozens ein hochmodernes Kaufhaus, ein vornehmes Hotel, Wohnungen, Büroräumlichkeiten und große Grünflächen umfasst. Ein spezielles Verkehrskonzept sieht eine unterirdische Anbindung aller innerstädtischen Garagen und einen ausgelagerten neuen Busbahnhof vor. Der „WaltherPark“ soll also viel mehr als ein Kaufhaus mit nettem Umfeld sein. Ziel ist eine Quartiersentwicklung, die gleichermaßen zum Arbeiten, Wohnen, Einkaufen und Entspannen einlädt. Als federführenden Planer konnte Benko den britischen Stararchitekten David Chipperfield gewinnen, der gemeinsam mit Signa schon das „Kaufhaus Tyrol“ plante. „Durch die Umsetzung des Projektes kommt es zu einer deutlichen Belebung der Stadt Bozen und der Region und einem sehr attraktiven zusätzlichen Angebot an hochwertigen Verkaufsflächen für die Bevölkerung von Bozen und Südtirol“, beschreibt die Unternehmensgruppe die Vorzüge des „WaltherParks“. „Überdies wird den Bedürfnissen der Bevölkerung nach mehr Grünflächen Rechnung getragen und das Angebot an Grün- sowie Ruhezonen substanziell erweitert, indem der Bahnhofpark und die Bahnhofsallee als hochwertiger Boulevard neu gestaltet werden.“ Neben dem Einkaufs- und Architekturtourismus profitiert Bozen von neuen Arbeitsplätzen in der Bauphase und später nach der Eröffnung der Geschäfte.

2016 haben mehr als 64 Prozent der Bozener dieses ehrgeizige Requalifizierungsprojekt in einem Referendum abgesegnet. Danach ging es in großen Schritten an die rechtliche, planerische und bauliche Realisierung dieses Muster-Kaufhauses. Im Januar 2019 berichteten Regionalmedien, dass die Unternehmensgruppe insgesamt mehr als 600 Millionen Euro in Bozen investieren will. Heinz Peter Hager, Sprecher der Signa-Gruppe vor Ort, sagte damals: „Nachdem wir in Rekordzeit den neuen Busbahnhof gebaut und übergeben haben, kann der alte Busbahnhof abgerissen werden. Im März beginnen wir mit dem Abbruch des Ex-Hotels Alpi, gleich danach folgt der alte Busbahnhof sowie die alte Handelskammer.“ Der Signa-Vertreter sprach zu Jahresbeginn 2019 von einer dreijährigen Bauzeit. Bis Ende 2022 soll der „WaltherPark“ samt funktionierender Verkehrslösung fertiggestellt sein.

Zum Stadterneuerungskonzept, dessen Ziel die weitere Aufwertung der Südtiroler Landeshauptstadt ist, gehört auch das Wohnbauprojekt „Gries’Village“ am Grieser Platz. Die Bauarbeiten für die Anlage im Stadtteil Gries als beliebtester Bozener Wohngegend begannen im September 2017. Wie die Signa Holding mitteilte, konnten zahlreiche Wohnungen bereits vor dem Baubeginn verkauft werden. Die zehn Mehrfamilienhäuser in absoluter Ruhelage bieten Wohnungen unterschiedlicher Größe und Ausstattung – von Erdgeschosswohnungen mit Privatgarten bis hin zum Penthouse mit toller Dachterrassen-Aussicht. „Hochwertige Materialien und akkurate Bauausführung gewährleisten höchsten Wohnkomfort und Klimahausstandard“, heißt es seitens des Bauherrn.

Viel vorgenommen hat sich Signa auch für den Bozener Hausberg Virgl, für den eine neue Seilbahnanbindung, ein Museumsquartier und ein Naherholungsgebiet vorgesehen sind. Weil das bisherige „Ötzi“-Museum in Bozen aus allen Nähten platzt, hat Immobilieninvestor Benko einen neuen Standort für die Gletschermumie ins Spiel gebracht: einen futuristischen Bau am Virgl, der in knapp zwei Minuten vom Bahnhofsbereich aus mit einer Seilbahn erreicht werden soll. Das Konzept stammt vom international renommierten Architekturkollektiv Snøhetta und verbindet den eigentlichen Museumsbereich, ein Restaurant, eine Konzertarena und die Bergstation der Seilbahn. Das Museumsprojekt der Signa-Gruppe setzte sich gegen mehrere Konkurrenzvorschläge durch und wurde von einer Fachkommission als bestes auserkoren. „Wir haben uns bemüht, ein wirklich schönes Projekt zu entwickeln, das für Bozen und Südtirol maßgeschneidert ist und zugleich der Bedeutung des Ötzi als archäologische Weltsensation gerecht wird“, sagte Benko-Vertreter Heinz Peter Hager im letzten Jahr. „Wir sind sehr stolz auf unser herausragendes Projekt, das auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehr wettbewerbsfähig ist. Nun werden wir ein Public-Private-Partnership-Modell ausarbeiten, das dazu beitragen soll, die Kosten für die öffentliche Hand in Grenzen zu halten.“ Mit ihren millionenschweren Immobilienprojekten wird die Signa-Gruppe das moderne Stadtbild Bozens wohl maßgeblich prägen.