Hamburg – Der Hamburger Immobilienfinanzierer Exporo AG strebt nun verstärkt auf den österreichischen Markt.

Im Dezember 2014 war auf der Facebook-Seite „Hamburg Startups“ folgende Meldung zu lesen: „Exporo ist eine neue Crowdinvesting-Plattform aus Hamburg. Das Startup bietet seinen Kunden die Möglichkeit, in Immobilienprojekte zu investieren und so ihr eingesetztes Kapital zu verzinsen. Wir haben das vierköpfige Gründerteam zu ihrer Idee und den Chancen, die sie für ihr junges Unternehmen sehen, befragt.“ Klickt man heute auf den angezeigten Link, erscheint nicht das Interview mit den findigen Unternehmensgründern, sondern nur ein Fehlerhinweis. Im Internet ist das Interview also nicht mehr aufrufbar. Das ist schade, weil man zu gerne gewusst hätte, was Simon Brunke, Björn Maronde, Julian Oertzen und Tim Bütecke kurz nach Gründung ihrer Crowdinvesting-Plattform zu sagen hatten. Sieben Jahre später ist jedenfalls klar, dass ihr Geschäftsmodell ein voller Erfolg ist und die internetaffinen Immobilienprofis den Markt für Sachwertanlagen regelrecht revolutioniert haben.

Inzwischen hat das FinTech mit Sitz in der Hamburger Hafencity mehr als 200 Mitarbeiter und konnte schon 384 Immobilienprojekte realisieren. Dafür wurden von 29.500 Investoren 726 Millionen Euro eingeworben. Die effektive Jahresverzinsung wird derzeit mit 5,85 Prozent angegeben. Die Kalkulation dieses effektiven Zinssatzes fußt auf historischen Werten unter der Annahme, dass das gesamte Kapital schon am ersten Tag des Fundings verzinst wird. Die Privatanleger können zwischen zwei unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Produktkategorien wählen: Bei „Exporo Bestand“ beteiligen sie sich ab einem Euro an vermieteten Immobilien und profitieren als digitale Miteigentümer von den Mieteinnahmen und Wertsteigerungen; bei „Exporo Finanzierung“ investieren sie ab einem Mindestbetrag von 500 Euro in die Immobilienvorhaben von erfahrenen Projektentwicklern und erhalten dafür einen festen Zinssatz.

Angefangen hat alles im Jahr 2013, als Tim Bütecke und Björn Maronde zusammengekommen sind, um ihre Gedanken zur Schwarmfinanzierung von Immobilienprojekten auszutauschen. Bauingenieur Bütecke war zu diesem Zeitpunkt bereits zwölf Jahre im Immobilien- und Finanzdienstleistungssektor tätig und hatte bemerkt, dass sich immer mehr Immobilienentwickler mit der Finanzierung ihrer Projekte schwertun. Wegen der zunehmenden Bankenregulierung geizten die Geldhäuser mit der Vergabe von Investitionskrediten, sodass viele Projektträger durch Unterfinanzierung ausgebremst wurden. Gleichzeitig gab es viele Privatanleger, die wegen der Nullzins-Misere ihr Kapital nur zu gerne in lukrative Immobilien investieren würden. Gleiches hatte Björn Maronde, Jurist mit einem MBA, beobachtet. Beide erkannten, dass potenzielle Investoren – Projektgesellschaften wie Anleger – in großer Zahl vorhanden sind, aber wegen diverser Hürden nicht zueinander finden. So entstand die geniale Idee für einen leicht zugänglichen, transparenten und gebührenfreien Online-Marktplatz für Immobilieninvestoren. Zusammen mit dem Finanzexperten Simon Brunke und dem Unternehmensberater Julian Oertzen gründeten Bütecke und Maronde die Exporo AG und gingen Ende 2014 mit ihrer gleichnamigen Crowdinvesting-Plattform an den Start.

Gleich die erste Crowdinvesting-Aktion zur Immobilienfinanzierung wurde ein Riesenerfolg. Für das Neubau-Projekt „Feldbrunnenstraße“ wurden innerhalb von 14 Wochen 2,1 Millionen Euro eingesammelt. Damit zeigte sich, dass das Gründerquartett goldrichtig mit seiner Idee lag, sich gleichermaßen an Kapitalanleger, die in Immobilien investieren wollen, und an Projektentwickler zu richten, die ihre Immobilienvorhaben finanzieren wollen. An die auf der Plattform beworbenen Immobilieninvestments werden strenge Maßstäbe hinsichtlich ihrer Seriosität und Ertragsperspektive angelegt, um den Investoren eine möglichst sichere Geldanlage anzubieten. Deshalb bekommen von den wöchentlich bis zu 25 Finanzierungsanfragen auch nur ein bis zwei Projekte grünes Licht und werden den Investoren tatsächlich angeboten. Trotzdem empfiehlt Dr. Björn Maronde, die Anlageentscheidung nicht allein von den Exporo-Informationen abhängig zu machen: „Auf unsere Projektinformationen kann man sich verlassen. Generell raten wir jedem, der sein Geld sinnvoll anlegen möchte, sich selbst zu informieren. Das gehört zu unserem Credo und ist auch ein Trend, dem Crowdinvesting Raum verleiht: selbst informieren und selbst entscheiden. Mit den vielen Informationen, die wir zusätzlich zu den Themen Immobilien und Investments auf unserer Seite anbieten, drücken wir dies auch zusätzlich aus.“

Es gelte immer zwischen den Polen Sicherheit und Rendite abzuwägen. „Immobilieninvestments im eigenen Portfolio zu haben, ist unserer Ansicht nach natürlich generell gut. Entscheidend ist dabei das konkrete Investitionsangebot“, betont der Exporo-Vorstand für Vertrieb, Marketing und IT. „Und wichtig ist die Diversifikation, die Streuung von Investments auf unterschiedliche Anlageklassen, und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Man sollte seinen eigenen Finanzradius kennen.“ Hier setzen die hanseatischen Crowdinvesting-Profis an, wenn sie Immobilieninvestitionen schon ab einem Euro („Exporo Bestand“) beziehungsweise 500 Euro („Exporo Finanzierung“) ermöglichen und damit den bislang nur kapitalstarken Privatanlegern und institutionellen Investoren vorbehaltenen Markt für Immobilieninvestments demokratisieren. Bei Exporo kann jeder schon mit kleinen Beträgen sehr diversifiziert in Immobilien investieren. Vorstandschef Simon Brunke resümiert: „Bisher haben nur institutionelle Investoren und solche mit viel Geld, Zeit und Fachwissen an Immobilien verdient. Jetzt haben auch Kleinanleger die Chance.“

Björn Maronde rechnet fest damit, dass die Exporo AG ihr Fundingvolumen für renditeträchtige Immobilienanlagen noch deutlich steigern kann. Seine Zuversicht speist sich nicht nur aus den Erfolgszahlen des eigenen Unternehmens, sondern auch aus den weltweiten Perspektiven für Immobilien-Gemeinschaftsfinanzierungen: „Mit Crowdinvesting für Immobilien sehen wir uns in einem starken Wachstumsmarkt. Deutschland hat in diesem Segment weltweit noch riesigen Spielraum. Obwohl der deutsche Immobilienmarkt für sich schon sehr floriert, wird über Crowdinvesting das Potenzial noch vergleichsweise wenig ausgeschöpft. Die USA, Großbritannien und China machen es vor, dass dies auch im noch größeren Stil funktioniert.“

Wachstumstreiber ist die anhaltend hohe Immobilien-Nachfrage insbesondere in den westlichen Ballungszentren. Allein schon der dortige Wohnraumbedarf macht Immobilien zu einer absolut renditesicheren Anlageform. Hinzu kommt die Nullzinspolitik der Notenbanken, die sicherheitsorientierte Anleger verzweifelt nach Investmentalternativen suchen lässt. Seit der globalen Finanzkrise 2008/09 hält der Immobilienboom unvermindert an und wird vor allem von den Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank befeuert. Denn Anleger finden an den Finanzmärkten seit Jahren keine solide verzinste Alternative mehr. Exporo bietet aber genau die und ist so zum Magneten für viele private Anleger geworden.